Von Frank-Christian Raffel
Nicht zuletzt anlässlich der Beijing Auto Show 2026 ist Chinas Automobilindustrie wieder in aller Munde. Anlass für MRL Advisors, die Eigentumsverhältnisse der dortigen Hersteller aufzuzeigen.
Staatliche Unternehmen dominieren die Automobilindustrie Chinas
- Staatlich kontrollierte Unternehmen („State Owned Enterprises“, SOE) bilden die größte einzelne Herstellergruppe der chinesischen Automobilindustrie mit rd. 37% des chinesischen Produktionsvolumens
- 23% werden produziert von Joint Ventures, an denen SOE mindestens 50% halten
- Zusammen stammen also rd. 60% aller in China produzierten Fahrzeuge von eindeutig oder weitgehend staatlich kontrollierten Herstellern
- Rd. ein Drittel der in China produzierten Fahrzeuge stammt von chinesichen Unternehmen in privater Hand (börsennotiert)
- Lediglich 5% des Volumens wird von eindeutig ausländisch kontrollierten Hersteller-Joint-Ventures produziert – das sind BMW, Audi und Nissan
- Mit TESLA befindet sich nur ein Automobilhersteller vollständig in ausländischer Hand in China.
„Früher waren Joint Ventures für Automobilhersteller vorgeschrieben – das ist seit 2022 nicht mehr der Fall.“
Strategische Partnerschaften mit chinesischen Herstellern
Auch ohne Joint-Venture-Zwang wird weiter kooperiert: Volkswagen, mit langer Historie in China und mehreren Joint Ventures mit staatlichen Unternehmen (SAIC, FAW), hat beispielsweise mit dem privaten Unternehmen XPeng eine strategische Partnerschaft gebildet, welche gemäß Volkswagen hervorragende Ergebnisse – unter anderem die Gewöhnung an „China Speed“ – hervorbringt.
Die von Volkswagen im Jahr 2024 angekündigte Beteiligung an XPeng in Höhe von 4,99% der Anteile ist allerdings aus den üblichen chinesischen Quellen nicht ersichtlich, weshalb die Gruppe der privaten chinesischen Eigentümer mit JV-Partner aus dem Ausland gemäß der Aufstellung von MRL Advisors unbesetzt bleibt.

Europa im Fokus chinesischer Produzenten
Gemäß Befragungen von MRL Advisors in der chinesischen Automobilindustrie will die Mehrheit der befragten Hersteller signifikant im Ausland wachsen – allen voran in Europa, da der US-Markt für chinesische Hersteller erhebliche Hürden aufweist.
Fazit – mehr Partnerschaften mit Einfluss
Partnerschaften mit chinesischen Unternehmen sind in Tech-Branchen wie der Automobilindustrie wichtig und angebracht. Allerdings ist die nach den vielen Jahren der Auflösung des Joint-Venture-Zwangs Anzahl der klar von einer ausländischen Marke kontrollierten Unternehmen in der Branche noch überschaubar.
In China plädiert MRL Advisors grundsätzlich für Partner-Modelle, die tatsächlich für alle beteiligten Partner langfristig stabil und zukunftsorientiert sind. Noch gelten einige der Kompetenzen europäischer Unternehmen aus Tech-Branchen auch in China als wertschöpfend, und der Zugang zum europäischen Markt ist ein großes Asset. Diese Vermögenswerte – und weitere – sollten grundsätzlich adäquat im Design und in den Verhandlungen von Joint Ventures in China Einfluss finden, damit auch für die europäische Seite ein signifikanter EInfluss auf das Joint Venture gewahrt bleibt.



